Interview mit Tamara und Abby aus „Heldinnen küssen besser“

Heldinnen küssen besser

Zum Beruf “Superheldin“ würd mich interessieren, wo kann man sich dafür bewerben?

Abby: Das geht leider nicht. Es gibt Menschen, die mit bestimmten Fähigkeiten, den sogenannten „Talenten“, geboren werden. Ich bin ein Steintalent und habe besondere Kraft in den Armen. Wenn ich will, kann ich ein Auto hochheben. Wenn diese Menschen das Teenageralter erreichen, dürfen die Organisationen sie anwerben. Dann muss man sich entscheiden, ob man den Heldenberuf erlernen möchte, oder nicht. Letzteres bedeutet aber auch, dass einem das Talent durch ein Medikament genommen wird, damit man nicht damit Unheil anrichten kann. Die Organisationen stehen unter staatlicher Aufsicht und kümmern sich um die Helden. Sie sind also unsere Arbeitgeber.

 

Abby, wie bist du auf den Decknamen Purple Rose gekommen, wurde er dir zugeteilt?

Abby: Genau, die Namen sucht die Organisation für uns aus. Der Deckname setzt sich immer aus einer Farbe und einer Pflanze zusammen. Ich bin mit meinem ganz zufrieden.

 

Der Beruf als Superheldin ist ja sehr risikobehaftet. Habt ihr Abschiedsrituale?

Tamara: Nicht wirklich. Es ist natürlich belastend, wenn man immer Angst haben muss, dass ein geliebter Mensch oder man selbst von einem Auftrag nicht mehr zurückkommt.

Abby: In der Organisation gibt es die Tradition, dass ein Bild von jeder verstorbenen Heldin in der Halle hängt, damit sie nie vergessen wird. Es soll alle anderen daran erinnern, nicht leichtsinnig zu werden.

 

Seid ihr während eines Auftrages schon mal fast aufgeflogen?

Tamara: Nein, ich noch nicht. Allerdings bin ich auch noch nicht so lange dabei.

Abby: Bei mir ist das anders. Wir haben die Masken um unsere Identität zu schützen. Eigentlich klappt das auch sehr gut, allerdings hatte ich einmal einen Täter, der sie mir fast vom Gesicht gerissen hat. Aber das ist schon ein paar Jahre her. Heute würde das keiner mehr so leicht schaffen. Im Laufe der Zeit lernt man dazu.

 

Es ist bestimmt nicht einfach Superheldin zu sein. Wovor habt Ihr Angst?

Tamara: Vor Spinnen!

Abby: Ich glaube, das war nicht die Frage …

Tamara: Aber es stimmt, ich hasse diese Krabbelviecher.

Abby: Ja Süße, das weiß ich, weil ich diejenige bin, die die armen Tierchen dann nach draußen bringen muss. Zurück zur Frage, ich glaube, unsere größte Angst ist, dass eine von uns von einem Einsatz nicht mehr zurückkehrt.

 

Könntet ihr es euch noch vorstellen einem anderen Beruf nachzugehen?

Abby: Nein. Ich bleibe eine Heldin, bis zu meinem Tod. Mir ist der Beruf sehr wichtig, auch wenn er manchmal gefährlich ist.

Tamara: Da bin ich anders gestrickt. Ich könnte mir vorstellen aufzuhören, wenn wir eine Familie gründen und wenn unsere Kinder alt genug sind, dann etwas anderes zu machen.

 

Wird es auf Dauer manchmal anstrengend eine Superheldin zu sein?

Tamara: Manchmal. Es ist ein echter Knochenjob.

Abby: Besonders hart sind die Zeiten, wenn eine Kollegin stirbt. Das erinnert einen jedes Mal daran, dass man selbst als nächster dran sein könnte.

 

Kann man überhaupt abschalten, wenn ja, wie?

Abby: Mit Sex.

Tamara: Abby! Sowas kannst du doch nicht sagen.

Abby: Wieso? Ich bin doch nur ehrlich. Sex ist einfach super zum Abschalten und runterkommen.

 

Meine Frage: Wie fühlt man sich als Haupt-Akteuren-Frauen-Superhelden-Paar in einer, wohl überwiegend männlich dominierenden Welt, in der die ^Superfrauen^ meist nicht mehr als nur eine Nebenrolle ergattern konnten?

Tamara: Ehrlich gesagt, keine Ahnung. Ich bin einfach ich selbst, aber ich verstehe auch nicht, warum das noch so ein Tabu ist. Wir reden über Gleichberechtigung und Emanzipation, aber in den Superheldenfilmen retten immer Männer die Welt. Wer hat gesagt, dass eine Frau das nicht kann? Frauen werden immer noch überwiegend als sehr emotional und schwach dargestellt. Ich glaube, das ist nicht das beste Vorbild. Im 21. Jahrhundert diskutieren wir noch darüber, ob es in einem Kinderfilm eine lesbische Prinzessin geben darf. Das zeigt, dass die Welt noch lange nicht so tolerant und offen ist, wie wir glauben.

 

Wie sucht ihr euch ein Date aus? Habt ihr die Befürchtung es könnte nur des Ruhmes wegen sein? Was ist mit der Zukunftsplanung? Mann Haus Kinder?

Tamara: Na ja, ich bin lesbisch. Da kam das Thema Mann nie auf. Aber ich wollte immer eine Familie. Am Anfang war genau das meine größte Sorge bei dem Beruf als Heldin. Es ist nicht einfach jemanden kennenzulernen, wenn man immer einen Großteil seines Lebens verheimlichen muss. Ich hatte das große Glück, dass ich mich in meine Kollegin verliebt habe. Vor ihr muss ich nichts verheimlichen.

 

Wie funktioniert das mit dem Privatleben? Gibt es noch eines?

Abby: Das ist nicht einfach. Offiziell verpflichten wir uns dazu, mit niemand Außenstehendes über unsere Existenz als Superhelden zu sprechen. Deswegen passiert es oft, dass Kolleginnen aufhören, wenn sie eine Familie gründen wollen. Sie verlieren ihre besondere Fähigkeit und leben danach ein ganz normales Leben. Man muss sich also zwischen einer Beziehung und dem Job entscheiden.

Tamara: Meistens zumindest. Wir haben den großen Vorteil, dass wir beide Heldinnen sind. Wir teilen den Beruf und das Privatleben.

 

Wer braucht morgens länger im Bad?

Tamara: Ähm das wäre dann wohl ich.

Abby: Eindeutig.

Tamara: Dabei mache ich wirklich nur das Nötigste. Quasi Katzenwäsche.

Abby: Im Klartext; sie braucht mindestens eine Stunde. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und gehe in der Zeit noch eine Runde Laufen.

 

Abby: was nervt dich an Tamara?

Abby: Wenn wir ausgehen wollen und sie – ernsthaft – zwei Stunden mindestens braucht. Umziehen dauert doch nur fünf Minuten. Außerdem zieht sie dann Schuhe mit Waffenscheinpflichtigen Absätzen an und beschwert sich später, dass ihr die Füße wehtun. Ich verstehe den Aufwand nicht, für mich sieht sie auch morgens nach dem Aufstehen perfekt aus. Da braucht es kein Make-up und keine High Heels.

 

Tamara: was nervt dich an Abby?

Tamara: Kannst du mal kurz rausgehen, Schatz?

Abby: Vergiss es, das will ich hören.

Tamara: Na gut, dann beschwer dich aber hinterher nicht. Also … um ehrlich zu sein, finde ich ihren Dickkopf manchmal nervig. Mit ihr kann man nicht diskutieren. Da verliere ich jedes Mal.

 

Und was liebt ihr aneinander?

Tamara: Na ja … Abby ist meine Kollegin, beste Freundin und Liebe meines Lebens. Bei ihr fühle ich mich sicher. Ich weiß, dass ich mich immer auf sie verlassen kann. Sie kommt auch mit meinen Macken klar. Wenn ich zu ihr nach Hause kommen darf, dann hat sich jeder Tag bereits gelohnt.

Abby: Ich liebe alles an ihr, so einfach ist das.

 

Hättet ihr gerne mal eine Typveränderung?

Tamara: Vielleicht. Ich könnte mir auch vorstellen, meine langen Locken abzuschneiden, aber bisher hatte ich nicht den Mut dazu. Außerdem kann man mit langen Haaren mehr ausprobieren.

Abby: Nicht wirklich. Bei mir muss alles pragmatisch sein. Ansonsten ist mir mein Aussehen nicht ganz so wichtig.

 


Tamara: Schatz?

Abby: Ja, Süße?

Tamara: Bekommen wir keinen Ärger wegen dem Interview? Wir dürfen doch eigentlich nicht über unseren Job reden. Jetzt weiß doch jeder, dass wir besondere Fähigkeiten haben, dass wir mit Masken unsere Identität schützen und als Superheldinnen täglich die Welt retten.

Abby: Ach, das ist kein Problem. Die Leute glauben, wir wären Romanfiguren.

Tamara: Wirklich?

Abby: Ja. Ich habe Serena unsere Geschichte erzählt und sie hat es aufgeschrieben. Nette Idee, oder? Jetzt können wir erzählen, was wir wollen, uns glaubt es sowieso keiner. Angeblich fiktiv zu sein ist die beste Tarnung, die es gibt.


Mehr von Abby und Tamara gibt es im Roman „Heldinnen küssen besser

 

 

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